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Wir brauchen die Bahnhaltepunkte in Polling und Wielenbach!

Im Rahmen einer virtuellen Konferenz habe ich diskutiert mit Norbert Moy von Pro Bahn (l.o.), dem CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn (r.o.) und Thomas Kunze von der BEG 

Bahnhalte aufs tote Gleis gestellt

Zum Thema „Neue Bahnhalte im Landkreis Weilheim-Schongau“ führte der Fahrgastverband „Pro Bahn“ eine Videokonferenz durch. Als Diskutanten geladen waren zwei Stimmkreisabgeordnete, drei Experten der Bayerischen Eisenbahngesellschaft sowie die Bürgermeister der seit 1984 bahnhofsberaubten Dörfer.

Landkreis – Neben den Diskussionsteilnehmern schalteten sich auch 33 weitere Zuhörer zu. „In Polling und in Wielenbach sehen die Leute die Züge nur vorbeifahren“, sagte Norbert Moy. Der Oberbayern-Chef von „Pro Bahn“ moderierte und präsentierte Statistiken: 6500 Einwohner zählen die beiden Orte, und wegen der mageren Bus-Anbindung nähmen von dorther viele das Auto und verschärften damit das Verkehrsproblem in Weilheim.

Zur Herstellung der Wahlfreiheit des Verkehrsmittels gelte es, „den Zugang zu attraktiven Zugangeboten zu erleichtern.“ Statt in rund 60 Minuten mit Bus und Umstieg erreiche man München von Polling aus per Direktzug in 44, von Wilzhofen aus in 38 Minuten.

Pollings Bürgermeister Martin Pape (CSU) unterstrich, dass die Wiederherstellung des Bahnhalts sehr begrüßt würde, zumal man auch Parkplätze anbieten könne. „Es gibt sowieso ein Ausweichgleis, wo es immer wieder zu Zughalten kommt.“ Die Reaktivierung von Zustiegsmöglichkeiten könne Pendlern und Bewohnern „ein Signal nach vorne“ geben.

Harald Mansi verschärfte für Wielenbach die Dringlichkeit: „Der Siedlungsdruck löst immer mehr Mobilität in der Region aus. Früher brauchte ich morgens im Pkw nach München 50 Minuten, heute 90.“ Mansi forderte, die zum Ausbau der B2 vorgesehenen Gelder in den Ausbau des Zugangebots umzulenken. „Wir müssen wegkommen vom Teufelskreis Auto“, so der Kommunalpolitiker von „Bürger für Wielenbach“.

Der Direktabgeordnete Harald Kühn (CSU, Murnau) goss Wasser ins Diskussionsfeuer. Die Neuausschreibung zum Werdenfelsnetz 2026 geschehe ohne die Anforderung neuer Haltestellen. Ein Streckenausbau könne frühestens 2030 in den Bundesverkehrswegeplan.

Andreas Krahl – für die Grünen ebenfalls im Landtag – kritisierte das „Kompetenzgeschiebe“ zwischen Bund und Land: „Für einen Zweigleisabschnitt sieht Berlin keinen Bedarf, weil Bayern keinen Druck macht, und dann sagt man in München, ein Fahrplan mit mehr Halten gehe nicht, weil Berlin kein zweites Gleis finanziert.“

Zudem gelte auch die Wiederherstellung eines Bahnhofs rechtlich als neue Haltestelle, wofür hohe Planungshürden aufgerichtet seien. Immerhin gebe es von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) keine fundamentale Ablehnung. Die BEG erstellt im Auftrag des Freistaats Bayern die Zugangebote. „Wir selber können an der Infrastruktur nichts ändern, wir planen auf Grundlage der Gegebenheiten“, stellte Kord Simons klar. „Die Werdenfelsstrecke ist ähnlich hart an der Auslastungsgrenze wie die B 2, auch wenn man das als Beobachter bei Zügen kaum wahrnimmt“, so der Leiter der Abteilung Infrastruktur.

Zwar habe die BEG in den letzten Jahren bayernweit 60 neue Haltestellen realisiert. „Aber wenn ein Zug öfter hält, hat das nicht nur Vorteile, denn er wird dadurch auch langsamer.“ Gerade im Pfaffenwinkel zeige sich, dass weitere Halte ein Gesamtkonzept bräuchten: mit abwechselnd einem schnellen und einem etwas langsameren Zug, sodass verschiedene Tempo-Bedürfnisse abgedeckt würden: „Wir dürfen Fahrgäste aus Murnau und Garmisch nicht vergessen.“

BEG-Planungschef Florian Liese machte deutlich: Ein Bahnhalt an der Ammerseestrecke in Alt-Wielenbach werde derzeit ausgeklammert. Stopps in Polling und Wilzhofen würden bei neuen Konzepten am Rande mitgeprüft – hinsichtlich Nutzen, zuerst aber hinsichtlich Fahrplan. Derzeit gelte: Extrastopps sprengen die Taktzeiten der Züge in Tutzing und Murnau, die wegen mangelnder Zweigleisigkeit starr fixiert sind. „Wenn man mehr Halte will, wird man größere Infrastrukturausbauten vorsehen müssen. Mit der heutigen Eingleisigkeit wird’s nicht gehen.“ Auch eine Beschleunigung sei nördlich von Murnau ausgereizt.

Südbayern-Bereichsmanager Thomas Kunze (ebenfalls BEG) bestätigte, dass wechselnde „Schnell-Langsam-Züge“ nach Garmisch für den Deutschlandtakt 2030 konzipiert werden. Die Planung sei extrem herausfordernd. Ein Büro aus Hannover berechne gerade Fahrplanvarianten.

Norbert Moy blieb diplomatisch: „Diese Fristen sind uns eigentlich zu lang.“ Ungeduldiger zeigten sich die Bürgermeister. Martin Pape will fürs Erste wenigstens im Berufsverkehr ein paar Zughalte. „Die Bürger brauchen einen Silberstreif am Horizont.“ Zugunsten des Streckenausbaus gelte es, mehr politischen Druck zu machen.

Harald Mansi spitzte zu: „Wenn der Zweigleisabschnitt offenbar ein Generationenprojekt ist, dann sollte man besser gestern als morgen mit der Planung anfangen.“ Gemünzt auf den Bahnhof Wilzhofen unterstrich er mit kämpferischem Unterton: „Wir in Wielenbach werden die Forderung nach einem Zughalt wie eine Monstranz vor uns hertragen.“

Bericht: Andreas Bretting

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