Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Wer soll uns denn morgen pflegen?

Es liegt doch auf der Hand: morgen pflegen können nur die, die es heute schon lernen.
Damit sich heute genug junge Menschen für eine Ausbildung oder ein Studium in der professionellen Pflege entscheiden, müssen die Berufsbilder attraktiv sein. Junge Leute wollen eine gute Work-Life-Balance. Sie legen Wert auf Aufstiegschancen und sie möchten am Ende auch ein bisschen Geld in der Tasche haben. Klar, wollen wir alle. Und wenn der eigene Beruf dann auch noch in der Familie und beim Feiern Anerkennung verschafft: Jackpot!

Generalistische Pflegeausbildung

Die generalistische Pflegeausbildung will genau hier einen Grundstein legen: sie bietet verzweigte Möglichkeiten zur Spezialisierung. Ausgehend von einem soliden Fundament müssen junge Menschen sich nicht mehr gleich zu Beginn der Ausbildung festlegen, ob sie fortan ausschließlich in der Altenpflege oder in der Kinderkrankenpflege arbeiten wollen. Die Generalistik öffnet Membranen durch die Berufsbilder, öffnet Karriereperspektiven und steigert damit die Attraktivität der gesamten professionellen Pflege. Außerdem bereitet sie die Pflegefachleute von morgen besser auf die steigenden Anforderungen vor. Der demographische Wandel und eine immer älter werdende Gesellschaft verändert die Pflegelandschaft nachhaltig.

Dann können wir doch jetzt loslegen, oder?

Noch nicht so ganz. Denn obwohl die Ausbildungsreform bereits 2017 beschlossen wurde und der Bund die neuen Rahmenlehrpläne vorgelegt hat, hakt es in einigen Ländern noch an der Umsetzung. Bayern droht einen ganzen Ausbildungsjahrgang zu verlieren: in diesem Frühjahr können viele der ambitionierten Pflegefachleute von morgen eben noch nicht loslegen. Wenn sie geduldig bleiben, beginnen sie ihre Ausbildung im Herbst. Wenn ihnen ihre Zeit kostbar ist, werden sie halt bedauernd etwas anderes erwägen.

PIX: Die Vermessung der Deutschen Pflegeausbildung

Das Kuratorium Wohnen im Alter hat in jedem Bundesland mal nachgezählt: wie viele Menschen über 80 kommen derzeit eigentlich auf eine zukünftige Pflegefachkraft? Trotz Kampagnen wie „Die Herzwerker“ und trotz gebetsmühlenartiger Versicherung der Staatsregierung, die Attraktivität der professionellen Pflege steigern zu wollen, schneidet Bayern hier denkbar schlecht ab:

Gut 40 Menschen, die heute über 80 sind, steht nur ein*e Pflegeschüler*in gegenüber.

Und während die Alten immer mehr werden, werden die Pflegenden weniger, weil wir sie nicht ausbilden. Die wenigen jungen Leute, die sich trotz allem für eine Ausbildung entschließen und sogar bereit sind, darauf zu warten, vergraulen wir mit schlechten Arbeitsbedingungen, fehlenden Personalbemessungsinstrumenten, wenig Geld und noch weniger Anerkennung. Am Ende steht eine Pflegefachperson dann ganz schön allein auf verlorenem Posten.

Wenn wir also morgen gepflegt werden wollen, müssen wir heute die richtigen Weichen stellen!

Akademisierung voranbringen, Generalistische Ausbildung umsetzen, Profession anerkennen, Wertschätzung rauf, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und von Leben und Beruf sicherstellen, Arbeitszeitmodelle auf den Prüfstand, der Profession eine starke Stimme geben, Augenhöhe zu allen Akteur*innen im Gesundheitswesen, Ausbildung attraktiv gestalten und Praxisanleitung raus aus dem Tagesgeschäft.
Mehr Geld allein ist einfach nicht die Lösung!

 

 

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert, aber Trackbacks und Dingbacks sind offen.