Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Umsetzen! Umsetzen! Umsetzen!

In der Politik genügt es nicht große Ideen zu haben.

Politiker und Politikerinnen müssen auch einen Plan und vor allem den Mut zur Umsetzung großer Ideen haben!

Die generalistische Pflegeausbildung ist so eine große Idee.
Die generalistisch ausgebildeten Pflegefachpersonen haben mehr berufliche Perspektiven und sind besser gewappnet für die sich ändernden Ansprüche in der professionellen Pflege.

Die Generalistik steigert also auch die Attraktivität eines absolut systemrelevanten Berufes.

Pflegeschulen und Pflegeeinrichtungen müssen über den eigenen Tellerrand hinweg Kooperationen schließen, weil die Praxisausbildung nicht länger an ein Haus gebunden sein kann. Mit der Generalistik müssen also auch die Verantwortung übernehmen, die selbst nicht ausbilden.

Es ist jetzt an der Staatsregierung, endlich für Planungssicherheit zu sorgen:

Lehrpläne vorlegen, Finanzierung sichern, Praxisanleitung bereitstellen und Kooperationen begleiten.
Doch statt ihren Aufgaben gerecht zu werden und die Interessen der professionell Pflegenden zu vertreten, gründet die Staatsregierung immer weitere Arbeitskreise und verschleppt den bundesgesetzlich längst vorgegebenen Wandel.
Wir unterstützen den Antrag der SPD und fordern gemeinsam:
Umsetzen! Umsetzen! Umsetzen!

Den erwähnten Dringlichkeitsantrag der SPD Fraktion findet ihr hier im Wortlaut:

Dringlichkeitsantrag 1
der Abgeordneten Horst Arnold, Ruth Waldmann, Michael Busch, Martina Fehlner,
Volkmar Halbleib, Natascha Kohnen, Doris Rauscher, Diana Stachowitz, Dr. Simone
Strohmayr, Margit Wild, Markus Rinderspacher, Klaus Adelt und Fraktion (SPD)

Frühjahrsjahrgang 2020 der Pflegeausbildung in Bayern nicht ausfallen
lassen – Rahmenlehrplan und Finanzierung unverzüglich sicherstellen

Der Landtag wolle beschließen:
Die Bayerische Staatsregierung wird aufgefordert, den neuen bundeseinheitlichen
Rahmenlehrplan für die Pflegeberufe unverzüglich auch in Bayern umzusetzen. Die Finanzierung
für die neue Pflegeausbildung muss sichergestellt werden, da sonst droht, dass ein ganzer
Ausbildungsjahrgang ausfällt, der dringend benötigt wird.

Begründung:
2017 wurde das neue Pflegeberufe-Gesetz beschlossen, das ab 2020 die Pflegeausbildung
grundlegend neu regelt. Die drei bisherigen Ausbildungen in der Altenpflege, Krankenpflege
sowie der Kinderkrankenpflege werden zu einem künftig einheitlichen Ausbildungsberuf
zusammengeführt. Das Pflegeberufe-Gesetz soll die Attraktivität des Pflegeberufs steigern
und einen Beitrag für eine ausreichende Anzahl gut qualifizierter Pflegekräfte leisten. Hierzu
wurden und werden von zahlreichen Einrichtungen der schulischen und praktischen Ausbildung
erhebliche Anstrengungen unternommen.
Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung wurde am 2. Oktober 2018 vom
Bundesfamilienministerium und dem Bundesgesundheitsministerium erlassen. Erstmals in der
Geschichte der Pflegeausbildung werden zur nachhaltigeren Umsetzung der Reformansprüche
bundeseinheitliche Rahmenpläne erstellt. Die Umsetzung der Rahmenpläne auf Landesebene
durch die bayerische Lehrplankommission wird bis zum Jahreswechsel 2019/2020 dauern.
Dieser Zeitpunkt ist selbst für große etablierte Pflegeschulen zu spät, um die neuen Regeln
in dem im April 2020 startenden Ausbildungsjahrgang umzusetzen. Den Ausbildungsträgern
wird offenbar vom Bayerischen Kultusministerium und einigen Regierungsbezirken empfohlen,
den Ausbildungsstart im April 2020 ausfallen zu lassen. Angesichts des dramatischen
Personalbedarfs in der Pflege können wir uns keinen Rückgang an Auszubildenden leisten.
Daher muss die Staatsregierung unbedingt die Finanzierung für die neuen Ausbildungen
sicherstellen. Die Pflegeschulen sind immer noch völlig im Unklaren, wie die Mieten und
Investitionskosten finanziert werden sollen. Sie brauchen dringend Unterstützung bei
der Gestaltung von Kooperationsverträgen vor Ort. Hier muss die Staatsregierung mit
Rahmenverträgen helfen. Es muss alles getan werden, damit Ausbildungswillige auch tatsächlich
die Pflegeausbildung aufnehmen können.

Meine Rede im Plenum dazu:

Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen.

In der Politik genügt es nicht große Ideen zu haben.
Politiker und Politikerinnen müssen auch das Bewusstsein dafür haben, wie sie umgesetzt werden und sie müssen vor allem den Mut haben, große Ideen zu verwirklichen!
Mit der generalistischen Ausbildung der Pflegeberufe kommt auf diesen systemrelevanten Berufsstand die größte Idee zu, die er in der Nachkriegszeit erlebt hat.
Und die oberste Pflicht der Staatsregierung bei dieser wichtigen und richtigen Reform wäre gewesen: Umsetzung, Umsetzung, Umsetzung!
Während sowohl Schüler*innen als auch die Träger*innen immer noch auf Planungssicherheit warten, gründet die Gesundheitsministerin ein Arbeitsbündnis nach dem anderen. Warum werden, wie vollkommen richtig von der SPD angesprochen, keine Lehrpläne vorgelegt, keine Finanzierung gesichert, keine zusätzliche Praxisanleitung bereitgestellt? Frau Ministerin, sie wollen den Beruf attraktiver machen? Dann tun sie das! Genau das gehört zu Ihren wichtigsten Aufgaben! Stattdessen warten Sie scheinbar lieber wieder darauf, dass tausende Menschen auf die Straße gehen, weil Sie ihre Interessen nicht vertreten.
In Zeiten eines dramatischen Pflegemangels, hohen Ausbildungsabbruchquoten und erschreckend kurzer Verweildauer im Beruf können wir es uns nicht leisten, auch nur eine einzige Person, die sich für ein Berufsleben in der professionellen Pflege entscheidet, abzuweisen! Genau diese eine Person fehlt an den Betten der Kinderhospize, der Akutkliniken und der Pflegeheime.
Genau diese eine Person könnte letztlich über eine weitere Reduktion dringend benötigter Pflegeplätze entscheiden. Und genau an dieser einen Person entscheidet sich für Patientinnen und Patienten die Frage nach Selbstbestimmung und Würde.
Die Staatsregierung setzt mit ihrer Verweigerungshaltung zur Vorlage der Lehrpläne, zur Finanzierung und zur Unterstützung bei den Kooperationsverträgen aber nicht nur eine Pflegefachkraft aufs Spiel, sondern den ganzen Ausbildungsstart April 2020. Ein hoher Preis!
Das, meine geschätzten Kolleg*innen, ist unverantwortlich und nicht hinnehmbar. Und es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Staatsregierung den ganzen Berufsstand immer noch auf einen Akt der Selbstaufopferung und Nächstenliebe, sowie einen klassischen Assistenzberuf reduziert. Ganz offensichtlich will sie diese Reduktion auch nach der Pflegeberufereform weiter manifestieren.
Abschließend habe ich nun nur eine Bitte an Sie, Frau Ministerin! Ich kann ja sogar ein Stück weit nachvollziehen, dass Ihnen das, was wir als Opposition in diesem hohen Haus sagen, herzlich egal ist. Ich kann aber nicht nachvollziehen, dass Sie das, was Berufsverbände, wie DbfK, der bayerische Pflegerat und alle Fachleute sagen, derart sorglos in den Wind schlagen. Sogar, die von Ihnen installierte, zahnlose Möchte-Gern-Berufsvertretung, die Vereinigung der Pflege in Bayern sagt das ganz genau das Gleiche. Hören Sie doch bitte wenigstens denen zu!
Frau Huml, stimmen Sie heute, wie wir, dem Antrag der SPD zu und dann machen Sie sich an die Arbeit für den größten Berufsstand im Gesundheitssystem.
Im Übrigen bin ich der Überzeugung, dass eine Pflegekammer, die Forderungen der Profession wesentlich deutlicher und nachdrücklicher an Sie herantragen würde, als die Vereinigung der Pflege.
Vielen Dank…

Weiterführend hierzu: https://gesundheit-soziales-bayern.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++0788ff10-c5b4-11e9-951e-001a4a160100?fbclid=IwAR0XjWVJgo37dLNM_2rLMT6n9Mnwku_0eAzz-naCAGCP6AoIv_AdCfNJQTI

 

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.