Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Telefoninterview mit dem Murnauer Tageblatt: Herr Krahl, wie verbringen Sie dieses Weihnachten?

Telefoninterview mit Andreas Krahl, MdL

Welche Bedeutung hat das Weihnachtsfest für Sie grundsätzlich (und wie hat sich Corona auf diese Bedeutung ausgewirkt)?

Weihnachten ist für mich das Fest der Familie, der gemeinsamen Zeit, der guten Gespräche, des Innehaltens, des Erinnerns und eine Zeit der Dankbarkeit. Gerade in diesem Pandemiejahr habe ich viele Gründe, dankbar zu sein: Meine Familie und alle meine sehr nahen Menschen sind gesund geblieben, wir haben bislang niemanden an Corona verloren. Ich bin sogar zum ersten Mal Onkel geworden. Ich weiß aber auch, dass sehr viele Familien weit weniger glücklich durch dieses Jahr gekommen sind und dass dieses Weihnachten für viel zu viele Menschen eine Zeit der Trauer sein wird, weil jemand geliebtes nicht mehr mit am Tisch sitzt. Als Sohn, als Partner, als Bruder, als Onkel, als Freund und als Enkel, der ich leider nicht mehr bin, bricht mir der Gedanke an die Opfer der Pandemie und an die Hinterbliebenen das Herz.

Wie haben Sie das Fest bisher begangen?

Normalerweise verbringe ich Weihnachten wenn es irgendwie geht bei meinen Eltern. Meine Familie hat seit ich denken kann ganz feste Weihnachtsrituale. Der Baum ist immer mit roten Kugeln und Strohsternen geschmückt, am Heiligen Abend essen wir immer Kartoffelsuppe mit Würstchen und gehen zusammen zur Christmette. An den Weihnachtstagen wird, wie überall, zu viel und sehr gut gegessen. Meine Mutter ist eine phantastische Köchin und mein Vater ein großartiger Plätzchenbecker. Zu unserem festen Familienprogramm gehört auch ein „Irgendwie und Sowieso“ Fernsehmarathon, dann natürlich mit Himbeerjoghurt. Genau deswegen gehören extra Laufrunden nach den Feiertagen normalerweise fest zu meinen ganz persönlichen Ritualen.

Wie werden Sie heuer feiern/was ändert sich?

Weihnachten 2020 verbringe ich natürlich nicht bei meinen Eltern und nicht bei meiner Schwester und meiner Nichte. Stattdessen arbeite ich an allen Feiertagen im Nachtdienst auf der Intensivstation der Klinik in Garmisch-Partenkirchen und versorge Covid-19 Patient*innen. Als Fachkrankenpfleger für Intensivmedizin kann mein Platz in diesem Jahr nur dort sein: An der Seite meiner Kolleginnen und Kollegen. Ich werde über die gesamte Dauer meiner Landtags-Weihnachtsferien in Vollzeit in der Klinik arbeiten.

Wie stehen Sie persönlich zu den Lockdown-Regelungen über Weihnachten?

Ich habe von Anfang an gemahnt, dass die pandemische Lage auch an den Weihnachtsfeiertagen keine Lockerung der Infektionsschutzmaßnahmen zulässt. Die Inzidenzwerte steigen seit vielen Wochen und wir müssen täglich mehr Verstorbene betrauern. Die Kliniken sind überlastet und alle Mitarbeitenden stehen am Rand der totalen Erschöpfung. Die ersten Kliniken sind bereits nicht mehr in der Lage alle Patient*innen optimal zu versorgen, in Sachsen wird seit gestern triagiert. Inzwischen arbeiten auch in Bayern bereits positiv getestete Pfleger*innen und Ärzt*innen auf unseren Stationen und versorgen Covid-19 Patient*innen. So weit hätte es niemals kommen dürfen. Lockerungen des Lockdowns über Weihnachten können wir uns schlicht nicht leisten. Jetzt muss es darum gehen, Leben zu retten und da stehen wir alle in der Verantwortung!

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert, aber Trackbacks und Dingbacks sind offen.