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Tag der Frauengesundheit: Die Datenlücke im System

Reproduktive Rechte: Schluss mit der Bevormundung

Am Tag der Frauengesundheit muss es natürlich, auch bei uns immer noch, um reproduktive Selbstbestimmung gehen.
Erwachsene Menschen dürfen sich nicht über medizinische Behandlungen informieren.
Erwachsene Menschen werden gezwungen, sich beraten zu lassen, wenn sie eine ungewollte Schwangerschaft beenden wollen oder müssen. 2020 behandeln wir Frauen immer noch wie unmündige Kinder und sprechen Ihnen mit den §§218 und 219a ab, selbst über ihre Körper, ihre Zukunft und ihr Leben zu entscheiden.
Aber vielleicht müssen wir das auch, wenn wir weiterhin wollen, dass irgendwer in Zukunft noch den Laden am Laufen hält: Gerade die letzten Wochen waren alles andere als eine Werbeveranstaltung für Mutterschaft.

Unbezahlte Care Arbeit und Gewalt

Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen waren und sind Müttern eine Bürde. Darüber ist so viel gesagt und geschrieben worden, dass das Schweigen der Regierungen dazu einem Schlag ins Gesicht gleichkommt.
Ganz realen, physischen Schlägen waren und sind vor allem Frauen und Kinder in gewaltvollen Partnerschaften und Familien ausgesetzt. Auch hier: nichts, als ein wenig Bedauern und ansonsten gleichgültiges Schulterzucken. Es gilt schließlich Airlines zu retten und Automärkte anzukurbeln.

Gesundheit außerhalb der Norm

Am Tag der Frauengesundheit ist es wichtig, dass wir auch über das sprechen, was in der Medizin immer noch die Norm, das Maß der Dinge ist: Männerkörper.
An ihnen werden Medikamente getestet. Für sie werden Dosierungsempfehlungen gegeben. Ihre Symptome leiten überwiegend die Forschung. Selbst die Versuchstiere sind männlich und auch bei der Zellforschung würde es einen Unterschied machen. Man(n) macht diesen Unterschied aber einfach viel zu selten.

Frauenkrankheiten werden nicht erforscht

Schon mal von Endomytriose gehört? Das ist nicht verwunderlich, das bekommen nämlich nur Frauen. Betroffene leiden unter starken Schmerzen während der Periode, weil bei jeder Monatsblutung die Gebärmutterschleimhaut überall dort wuchert, wo sie nicht hingehört.
Diese Krankheit wird auch heute noch immer nicht zuverlässig von Gynäkolog*innen diagnostiziert. Frauen mit starken Regelschmerzen rät man zu Schmerzmitteln, die auf das männliche Schmerzempfinden abgestimmt sind und Wärmflasche. Ansonsten hält man sie für hysterisch.
Ich kenne Berichte von Frauen, die jahrelang nicht ernst genommen wurden, bis endlich jemand den Grund für ihr Martyrium fand.

Frauen wollen keine Umstände machen

Solange wir unseren Töchtern immer noch beibringen, leise und artig zu sein und bitte keine Umstände zu machen, solange werden Frauen bei Ärzt*innen und in Kliniken ihre eigenen Symptome klein reden. Mit oft verheerenden Folgen. Welchen Unterschied das machen kann, sieht man daran, dass beispielsweise Herzinfarkte bei Frauen im Schnitt wesentlich später diagnostiziert werden. Vielen Mediziner*innen sind die vom Mann abweichenden Beschwerden noch immer nicht bekannt. Bis vor wenigen Jahrzehnten galten Frauen nicht mal als gefährdet, dabei ist das Risiko dasselbe.

Gender-Data-Gap

Medizin und Pharmaforschung leiden auch in der so fortschrittlich phantasierten westlichen Welt immer noch an einem erheblichen Gender-Data-Gap. Das macht mich wütend und das sollte jede und jeden von euch ebenso in Rage versetzen. Empört euch! Nicht nur am Tag der Frauengesundheit!

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