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Professionelle Pflege: dem Individuum verpflichtet

Gesellschaftliche Wirklichkeit

Wir sind längst eine Aufnahmegesellschaft. Deutschland wurde in den letzten Jahrzehnten zu einer Heimat für Menschen aus allen Teilen der Erde. Diese Menschen leben, arbeiten, gründen Familien und sie brauchen Pflege, wenn sie alt oder krank sind.

Professionelle Pflege stellt immer das Individuum in den Mittelpunkt. Biographiearbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der professionellen Pflege, gerade wenn sie auf Dauer ausgelegt ist, wie in Alten- und Pflegeheimen.
Der medizinische Fortschritt ermöglicht uns allen ein längeres Leben. Immer älter zu werden bedeutet gleichzeitig, dass mehr Menschen in der letzten Lebensphase mehr oder weniger große Anteile ihrer kognitiven Fähigkeiten verlieren. Dementielle Erkrankungen entwickeln sich zunehmend zu einem Problem, weil die Zahl der Betroffenen steigt.

Neue Herausforderungen in der Biographiearbeit

Betroffene verlieren immer zuerst den Bezug zum Hier und Jetzt und die Vergangenheit gewinnt an Bedeutung. Demente Menschen sind immer verloren und brauchen immer eine zugewandte Pflege, Beständigkeit und bestenfalls Therapien und Angebote, die ihnen im Heute ein Anker sind.
Doch was ist, wenn der demente Mensch im Heute keinen oder nur wenig Anker finden kann, weil der soziokulturelle Raum seines Erwachsenseins ein komplett anderer ist als der seiner prägenden Lebensphasen? Woran halten sich die Menschen fest, wenn die Welt, in der sich bestens integriert haben, zusehends im Nebel versinkt?
Migrant*innen der ersten Generation sind bei dementiellen Erkrankungen oft doppelt verloren: ihre Welt wird ihnen fremd, weil die Welt ihrer Vergangenheit machtvoll wieder an Bedeutung gewinnt.

Kultursensibilität in der professionellen Pflege

Um diese Menschen in der professionellen Pflege individuell zu betreuen, brauchen wir mehr Kultursensibilität. Pflegefachpersonen müssen auch Menschen mit Brüchen in der Biographie gerecht werden. Pflegefachpersonen brauchen das Bewusstsein und auch besondere Kenntnisse. Das schließt  auch das Wissen über die Ursprungsgesellschaften der Patienten und Patientinnen ein.
Gerade mit Blick auf die Altenpflege und die Langzeitpflege soll kultursensible Pflege bei uns in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Kutursensibilität als Lehr- und Weiterbildungsinhalt in allen Berufsbildern der professionellen Pflege ermächtigt die Pflegefachpersonen zu einer tief gehenden Biographiearbeit. Kultursensibilität macht sie sicher für die Aufgabe und sie ist ein fester Bestandteil menschenwürdiger Pflege in modernen Gesellschaften. Einer Pflege nämlich, die sich ihrer Verantwortung für alle Menschen, die sie gestaltet haben, bewusst ist.

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