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Profession Pflege endlich konsequent stärken!

Zur Expert*innenanhörung im Gesundheitsausschuss am 26.11.:
„Wie kann die Pflegerische Versorgung in Bayern in der Langzeitpflege sichergestellt werden?“

 

Who cares? Wer kümmert sich?

Derzeit werden rund 70% der gut 350.000 pflegebedürftigen Personen in Bayern zu Hause betreut. Die häusliche Betreuung übernehmen dabei immer noch ganz überwiegend die Frauen der Familien, die dafür die eigene Erwerbsarbeit hinten anstellen.

Gleichzeitig befinden wir uns nicht nur mitten in einem demographischen Wandel, sondern auch in gesellschaftlichen Umstrukturierungen. Verkürzt heißt das: es gibt immer mehr alte Menschen und gleichzeitig immer weniger Frauen, die auf die eigene berufliche Selbstverwirklichung verzichten wollen oder können.

Die betreuenden und pflegenden Angehörigen werden demnach weniger, während die Pflegebedürftigkeit aufgrund der älter werdenden Gesellschaft drastisch zunimmt. Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass genau hier seit Jahren ein gesamtgesellschaftliches Problem entsteht, das pausenlos an Fahrt aufnimmt.

Who nurses? Wer pflegt?

Wenn nun aber mehr und mehr „An- und Zugehörigenpflege“ aus zeitlichen und energetischen Gründen wegfällt, wer pflegt dann? Viele Pflegeheime führen bereits jetzt Wartelisten.
Ein Blick auf die durchschnittlich kurze Verweildauer der Bewohner*innen in den Pflegeheimen offenbart zudem, dass die Menschen erst mit erheblichen Krankheitsbildern (Multimorbidität) in die Einrichtungen kommen. Die Pflege mehrfach erkrankter und hochbetagter Personen ist entsprechend anspruchsvoll und kann nur von gut ausgebildeten Fachpersonen optimal gewährleistet werden.
Und genau hier kommt das ins Spiel, was wir verniedlichend immer den „Pflegemangel“ nennen.

„Pflegemangel“ verharmlost das tatsächliche Problem

Tatsächlich handelt es sich um einen dramatischen Mangel an Pflegefachkräften in all unseren Pflegeeinrichtungen. Schon heute scheitert die Aufnahme neuer Bewohner*innen eher am Fachkräftemangel als am Bettenmangel.
Oma oder Opa könnten schon einen Platz haben, es wird nur niemand da sein, der sie pflegt. Professionelle Pflege ist genau das, was wir uns für unsere Lieben und für uns selber wünschen und geht weit über „satt und sauber“ hinaus. Sie plant den Erhalt und die Wiedererlangung von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung und richtet ihr ganzes Tun genau darauf individuell aus.

Droht uns eine humanitäre Katastrophe?

Nicht weniger. Wenn wir die professionelle Pflege nicht stärken, werden wir (hoch)betagten und multimorbide Pflegebedürftige nicht nur nicht optimal versorgen können, sondern allenfalls vollkommen unzureichend.
Lebensqualität und auch die Lebensdauer der Pflegebedürftigen hängt direkt von der Qualität der Pflege ab. Pflegerische Qualität gibt es wiederum nur, wenn wir Menschen haben, die den Beruf ausüben und dies auch noch mit möglichst ausreichend vielen Kolleg*innen, um den Anforderungen gerecht werden zu können.

Wir müssen die Profession Pflege stärken!

Mit allen Mitteln: Pflegefachpersonen brauchen Wertschätzung, die sich nicht nur in einem Gehaltsplus äußert.
Pflegefachpersonen verdienen Augenhöhe mit anderen Gesundheitsberufen.
Pflegefachpersonen verdienen berufliche Perspektiven.
Pflegefachpersonen verdienen all das Entgegenkommen, das in anderen Mangelberufen längst alltäglich ist: Flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten bei den Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Profession Pflege verdient Forschung und in der Folge natürlich Studienplätze.

Die Profession Pflege ist eine Säule unserer Gesellschaft!

Die Profession Pflege ist ganz sicher nicht nur die Assistentin in unserer Gesundheitsversorgung. Mit einer konsequenten und zielgerichteten Stärkung der professionellen Pflege können wir die Probleme, die wir seit Dekaden als „Pflegemangel“ zu den Wahlkämpfen aus der Mottenkisten holen, endlich beherzt angehen. Bestens ausgebildete Gemeindepfleger*innen können Angehörige rat- und tatkräftig unterstützen und wertvolle Präventionsarbeit leisten. Bestens ausgebildete Pflegefachpersonen in den Einrichtungen verlängern ganz konkret Leben und verbessern oder erhalten Lebensqualität.

 

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