Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Pflege in Bayern: kultursensibel, diversitätssensibel und geschlechtergerecht

So sollte sie sein, die professionelle Pflege. Wie sehr ist Pflege jedoch ein Abbild der Gesellschaft?
Wenn unsere Gesellschaft nicht diskrimnierungsfrei ist, kann es dann unsere Pflege sein? Wer will das überhaupt wissen? Ich! Deshalb habe ich diesbezüglich eine schriftliche Anfrage an die Staatsregierung gestellt.

Ich will es wissen

Kann das Ministerium für Gesundheit und Pflege ausschließen, dass pflegebedürftige Menschen diskriminiert werden, sei es wegen ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Identität?
Ich fragte nach Unterschieden zwischen Stadt und Land. Nach vollstationärer Unterbringung, teilstationären Angeboten und mobiler Pflege.
In meiner eigenen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger wurden kulturelle Unterschiede und Diversitätssensibilität zwar angerissen, aber nicht besonders vertieft behandelt. Wie sehen die Lehrinhalte diesbezüglich heute aus? Gibt es Weiterbildungen zum Thema?
Wie wird auf Mobbing durch andere Patient*innen reagiert?
Zu guter Letzt wollte ich wissen, ob Mittel geschlechtergerecht verteilt werden.
Hat die Staatsregierung das Thema überhaupt im Blick?

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Die Antworten der Ministerin sind ernüchtern. Der Staatsregierung liegen schlicht keine Erkenntnisse vor. Zur Verhinderung von Diskriminierung reichen die vorhandenen Angebote angeblich aus. Betroffene sollen sich an den medizinischen Dienst wenden oder einen der Pflegestützpunkte befragen. Krankenkassen und Pflegekassen beraten auch diesbezüglich kompetent und umfangreich, so die Ministerin.
Jede Ungleichbehandlung verstoße außerdem gegen geltende Gesetze.

Ist es so einfach?

Allein meine Gespräche mit Betroffenen offenbaren, dass es nicht so einfach ist. Menschen werden auch in der Pflege diskriminiert und nicht ganz gesehen. Ich kenne Transgender-Personen, die Beklemmungen bekommen, wenn sie an ihren letzten Krankenhausaufenthalt denken. Ich sprach mit älteren homosexuellen Männern und Frauen, die meist allein im Speisesaal des Pflegeheimes sitzen. Aus meiner eigenen Zeit auf Station weiß ich, dass der arabische Patient nicht von allen gleich gern versorgt wird.
Eine Fachtagung der Bundesfrauenorganisation des Beamten Bundes benennt bereits 2014 ganz klar geschlechtsspezifische Unterschiede in der Pflege. Männern werden demnach im Durchschnitt „wesentlich höhere Leistungen“ bewilligt als Frauen.

Und nun?

Auch mit Blick auf die professionelle Pflege brauchen wir in Bayern eine Antidiskriminierungsstelle. Wir müssen uns trauen hinzusehen. Probleme wollen erkannt werden, bevor wir Lösungen finden können. Betroffene brauchen offenen Ohren und die Verantwortlichen offene Augen. Dinge, die wir nicht sehen wollen, sind für viele Menschen erschreckend real.

Krahl-148 G

http://www.dbb.de/fileadmin/pdfs/frauen/2014/dokumentation_fachtagung_11_verdienst.pdf

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.