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Pflege: Geschlechtergerecht und Traumasensibel

2019 in Deutschland: jede dritte Frau über 15 Jahre macht Gewalterfahrungen.

Die Gewalt geht dabei  ganz überwiegenden von Männern aus. Mindestens alle drei Tage bringt ein Mann seine Partnerin oder Expartnerin um. Meistens nach jahrelangen Misshandlungen. Die Zeitungen titeln dann regelmäßig mit „Familiendrama“ oder „Eifersuchtstat“ und verharmlosen damit die Gewalt.
Männliche Gewalt gegen Frauen zielt immer auf die Selbstbestimmtheit der Frau als gleichberechtigte Person ab. Fast immer ist die Gewalt sexualisiert.

Alltag für Frauen

2019 in Deutschland ist es für Frauen alltäglich, weniger zu verdienen, mehr Familienarbeit zu leisten, nicht gehört zu werden. Vertreten Frauen eine kontroverse Meinung, sind sie analogen und digitalen Übergriffen ausgesetzt. Sie werden bedroht, beleidigt und reduziert. Ein flüchtiger Blick in die sozialen Netzwerke belegt das auf widerwärtige Weise.
Immer noch sind viele Frauen in veralteten Rollenbildern gefangen: Kinder, Haushalt, Betreuung Angehöriger. Gerade ältere Frauen hatten keine oder nur wenig Möglichkeiten zur Erwerbsarbeit. Einelternfamilien sind überwiegend Mutterfamilien. Das macht die Armut weiblich.
Von wirklicher Geschlechtergerechtigkeit ist unsere Gesellschaft immer noch weit entfernt.

Wenn Frauen Pflege brauchen

Frauen, die wegen Alter oder Krankheit pflegebedürftig werden, haben demnach vielleicht traumatische Erfahrungen machen müssen. Mindestens aber hat unsere Gesellschaft sie über Jahre und Jahrzehnte gelehrt, dass ihr Wert nicht absolut ist. Viele Frauen sind es gewohnt, über ihre Funktion als Mutter, Partnerin, Familienfrau definiert zu werden.
Die professionelle Pflege muss auch hier sensibel sein und Frauenbiographien genau betrachten und ernst nehmen. Traumata und posttraumatische Belastungsstörungen müssen in Pflegeplanungen mitgedacht werden. Dramatische Erfahrungen können spät ans Licht treten, weil eine dementielle Erkrankung Barrieren einreißt. Das kann ganze Familien überfordern. Die betroffenen Frauen fühlen sich vielleicht sogar schuldig. Dem weiblichen Opfer selbst Schuld zu geben wird noch nicht lange gesellschaftlich hinterfragt.

Das Individuum im Fokus

Sensible Pflege muss auf weibliche Traumata vorbereitet sein. Sie muss sich mit Frauenschicksalen der eigenen Gesellschaft ebenso befassen, wie mit denen von Herkunftsgesellschaften der Migrantinnen und Geflüchteten.

Wenn Frauen pflegen

Auch vor den Betten muss für Frauen in der professionellen Pflege Gewaltfreiheit unbedingt gewährleistet sein. Viele Kolleginnen berichten von Übergriffen, Angriffen, Herabwürdigungen und Belästigungen von Patienten, Bewohnern und Kollegen. Null Toleranz: niemand darf bei Übergriffen darauf hoffen, ungeschoren davon zu kommen!
Gewalt in den Notaufnahmen, die inzwischen alle Kliniken in München dazu veranlasst hat, Wachpersonal einzustellen, richtet sich überwiegend gegen Frauen. Pflegerinnen und Ärztinnen werden beschimpft, bespuckt, geschlagen und begrabscht.

Und weiter?

Professionelle Pflege gilt vielen auch heute noch als „Frauenberuf“, was die geringe Wertschätzung, die schlechten Arbeitsbedingungen und die unzureichende Bezahlung erklärt. Dieses gesellschaftlich Bild ein Skandal.
Eine ausgemachte Sauerei ist es, dass es auch in diesem von Frauen geprägten Beruf den Gender-Pay-Gap gibt: männliche Pflegefachpersonen verdienen mehr als die Kolleginnen und gelangen häufiger in Führungspositionen.

2019 in Deutschland und auch in der Pflege sind Frauen weit von der Geschlechtergerechtigkeit  entfernt. Das kann, will und werde ich nicht unkommentiert hinnehmen!

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