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Klimastreik 15. März 2019 – Fridays for Future in Weilheim

Am 20. August stand eine von euch allein vor dem schwedischen Reichstag. Es war der erste Schultag nach den Ferien. Eigentlich sollte sie heute und morgen und an den Tagen danach in der neunten Klasse sitzen und lernen.
Das fanden jedenfalls ihre Eltern und ihre Lehrerinnen und Lehrer. Wahrscheinlich gab es Stress. Das Übliche: was ist mit deinen Noten? Du verlierst den Anschluss in Mathe! Und wenn ihr morgen eine Latein-Ex schreibt?
Genau wie ihr kann ich mir die Diskussionen beim Abendessen ziemlich genau vorstellen. Ich höre es förmlich: „Mein Gott, Greta! Es geht um deine Zukunft!“

„Ganz genau! Genau deswegen streike ich: ich will eine Zukunft!“

Ich habe gestern versucht, mich daran zu erinnern, was ich am 20. August gemacht habe und wo ich war. Wisst ihr es noch?
Und dann fiel es mir ein: es ist vollkommen egal, ob du in den See gehüpft bist, oder du Vokabeln gebüffelt hast, oder ob ich gearbeitet habe.
Das wichtigste ist doch: heute seid ihr alle hier! Hier in Weilheim. An mindestens 150 anderen Orten in Deutschland. Auf der ganzen Welt. In mehr als 100 Ländern erheben Schüler*innen, Studierende und Auszubildende ihre Stimmen und fordern Klimagerechtigkeit.
Nur sieben Monate nachdem Greta Thunberg in Schweden allein mit ihrem Schild den Streik begonnen hat!
In nur sieben Monaten ist aus einer Schülerin mit einem Schild die größte ökologische Sammelbewegung der Welt entstanden.
Die jungen Frauen und Männer, die Kinder und Jugendlichen von „Fridays for Future“ lassen allein logistisch die alten Hasen wie Amateure aussehen!

Schluss mit zaghaft!

Ich werde in diesem Jahr 30. Vier Jahre bevor ich auf die Welt kam, formulierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Ziel, die globale Klimaerwärmung auf ein Grad zu beschränken.
Die Ursachen für den menschengemachten Klimawandel kannten Forscher*innen und Politiker*innen schon bevor meine Eltern in den Kindergarten kamen.
Eure Eltern waren noch nicht auf der Welt, als eine Expertengruppe der u.s. amerikanischen Regierung erstmals ernsthaft vor den Folgen des CO² Ausstoßes für das Klima warnten. Trump war damals übrigens 19.

Und was ist in all der Zeit geschehen?

Unsere Häuser wurden größer, unsere Autos schneller, unsere Flugreisen weiter, unser Konsum wurde immer mehr. Dinge, über die meine Großeltern noch ungläubig den Kopf geschüttelt haben, wie Quark in Einweg-Bechern, Getränke in Dosen oder Klamotten für einen Abend, sind inzwischen überall.
Ich war noch nicht lange in der Grundschule, als das Zwei-Grad-Ziel zum Zentrum europäischer Klimapolitik wurde.
Alles, was wir heute billig kaufen wollen, muss mit einem riesigen Energieaufwand erst produziert, dann transportiert und mehrfach verpackt werden, um kurz darauf auf dem Müll zu landen. Wir kaufen unser Gemüse in Plastik verpackt, und entsorgen die Tüten und Schalen getrennt von dem, was in unserem Überfluss vergammelt.
In der Politik ist dann gern von „unserem Wohlstand“ die Rede: wir sichern Arbeitsplätze, wir erhalten unseren Wohlstand und wir sorgen für Wachstum.

An unserem Wohlstand ertrinken die Menschen, wenn das Wasser steigt.

Unsere Gier nach Energie entfesselt Wirbelstürme und Unwetter. An unserem Wachstum verdurstet die Welt.
Ihr habt all das in einem Bruchteil der Zeit gecheckt. Manche von euch haben in wenigen Wochen oder Monaten verstanden, dass ungenutzte Zeit euch und uns die Zukunft zerfrisst.
Ihr stellt euch den Streitereien beim Abendessen. Ihr werdet verspottet und ausgelacht. Manche von euch werden sogar bedroht. Im Netzt wüten die Shitstorms und der gesellschaftliche Klimawandel bläst euch eiskalt ins Gesicht.
Und trotzdem oder gerade deswegen, bleibt ihr klar, geschlossen und laut:

Ihr seid nicht gekommen, um irgendwen darum zu bitten, unsere Probleme endlich anzugehen.

Ihr seid hier, weil ihr selbst der unaufhaltsame Wandel seid! Die Zukunft gehört euch! Greift weiterhin danach und nehmt euch, was euch zusteht. „Climate Justice“: global und solidarisch.
Irgendwann will ich vielleicht ein „Parent for Future“ werden. Und wenn es soweit ist, dann will ich, dass meine Kinder eine lebenswerte Zukunft erwarten dürfen. Gemeinsam mit euch und euren Kindern sollen meine Kinder die Veränderung sein.

Heldinnen und Helden

Ihr seid die Heldinnen und Helden, die mir und uns allen den Mut und die Zuversicht dazu geben. Ihr seid die Heldinnen und Helden, die genau wissen, dass eine einzige Person mit einem klaren Ziel und einem Schild den Unterschied machen kann. Ihr seid die Heldinnen und Helden, die uns allen in Lichtgeschwindigkeit die eigene Trägheit um die Ohren hauen.
DANKE.

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