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Interview zum Welt-Diabetes-Tag 2020: Ich habe Diabetes II.

Ein Mann (50) berichtet hier vom Umgang mit Diabetes II – und dass es wesentlich mehr Aufklärung über die Stoffwechselerkrankung braucht. Aber er kann auch Mut machen: Was anfangs mehr als eine Herausforderung ist und auch Probleme mit sich bringt, kann sehr viele Vorteile mit sich bringen.

 

Wie und wann hast Du von Deiner Erkrankung erfahren?

Von meiner Erkrankung habe ich zufällig bei einer Blutuntersuchung vor etlichen Jahren erfahren.

 

Mit welchen Herausforderungen lebst Du mit Diabetes in Deinem Alltag? Was ist für Dich manchmal besonders schwierig?

Diabetes begleitet einen das ganze Leben und genau darin liegt aus meiner Sicht die Schwierigkeit. Es reicht nicht einmalig abzunehmen und seine Ernährung umzustellen. Die Umstellung ist lebenslang. Es erfordert eine hohe Disziplin, diese Umstellung immer einzuhalten und ehrlicherweise muss ich zugeben, dass dies mir auch nicht immer gelingt.

 

Wie unterstützt Dich Deine Familie dabei? Und Deine Freundinnen und Freunde?

Wir haben familiär vieles in der Ernährung umgestellt, alleine ein Blick auf die Einkäufe zeigt, wie viel sich geändert hat. Dennoch gibt es auch Süßigkeiten, denn ich möchte auch nicht mit meiner Erkrankung zwanghaft mein Umfeld einschränken. Gleiches gilt auch für den Freundeskreis.

 

Was hilft Dir besonders, wenn es Dir mal nicht so gut geht? (z.B. Hobbys)

Sport und nochmal Sport. Unabhängig von allen anderen Vorteilen für den Körper bin ich der Überzeugung, dass man ohne Sport Diabetes nicht in den Griff bekommt (insbesondere dauerhaft).

 

Begegnest Du Vorurteilen gegenüber Deiner Erkrankung? Wie gehst Du dann damit um?

Nein, ich denke der Begriff „Volkskrankheit“ hat sich hier wirklich durchgesetzt. Verständnisprobleme gibt es beim gemeinsamen Essen vielleicht manchmal, wenn man auf Teile des Essens verzichten möchte und dann erläutern muss, dass ggf. nicht der Nachtisch das Problem ist, sondern „Beilagen“ wie Kartoffeln, Nudeln und Reis, die Kohlehydratbomben sind. Aber auch dies kann dann schnell nachvollzogen werden.

 

Braucht es Deiner Meinung nach mehr Aufklärung über das Krankheitsbild Diabetes?

100%-ig! Insbesondere, dass es nicht nur Altersdiabetes gibt, sondern dass es genauso junge Menschen treffen kann. Und wenn möglich sollte jede*r die Möglichkeit nutzen, seine Zuckerwerte regelmäßig untersuchen zu lassen. Je früher das Problem erkannt wird, umso leichter kann man meist entsprechend gegensteuern. Wichtig ist vielleicht auch die Aufklärung, dass man auch ohne starkes Übergewicht Diabetes haben kann – zumeist sieht die Bevölkerung nur dort das Problem und nimmt nicht wahr, dass auch schlankere Menschen diese Erkrankung bekommen können.

 

Wie kannst Du anderen von Diabetes Betroffenen Mut machen?

Die notwendige Lebensumstellung bringt weitere Vorteile, die man am Anfang nicht erkennen kann und vielleicht auch erkennen möchte. Im Vordergrund besteht im Kopf zunächst der Verzicht. Davon darf man sich nicht abhalten lassen, denn ein „Weiterso“ ist der schlimmste Weg.

Wenn man den Beginn geschafft hat, dann wird es immer leichter den Weg so weiterzugehen. Und man sollte nie erwarten, dass es keine Hindernisse geben wird, man muss sich selbst auch etwas Zeit dafür gönnen. Nicht alles wird in den ersten Tagen, Wochen, Monaten klappen. Hauptsache die Richtung stimmt und man gibt diese nicht auf.

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