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In tiefster Verachtung!

Am Mahnmal des früheren Konzentrationslagers der Nationalsozialisten in Buchenwald sind offensichtlich mehrere Menschen Schlitten gefahren und haben dabei Massengräber als Rodelbahnen benutzt. Artikel in der SZ vom Buchenwald:Massengräber als Rodelbahn

 

In tiefster Verachtung!

Auf einem Friedhof herrscht die sprichwörtliche Friedhofsruhe. Niemand hüpft herum und niemand zieht zwischen den Gräbern Kreise mit einem Fahrrad. Unterhaltungen widmen sich meist der Grabpflege oder der verstorbenen Person. Viele Menschen beten oder sind in Gedanken versunken.

Im früheren Konzentrationslager Buchenwald wurden 56.000 Menschen ermordet. Das sind so unvorstellbar viele bestialische Morde, dass die Leichen in Massengräbern rund um das Lager verscharrt wurden. Buchenwald ist heute eine Gedenkstätte und ein riesiger Friedhof. Es ist einer der vielen Orte, an dem wir die Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten lebendig halten, um dem Versprechen „Nie wieder!“ hoffentlich gerecht zu werden. Es ist ein Ort der Trauer, des Schreckens, der Scham und der Verantwortung für uns alle und für die Generationen, die nach uns kommen.

An diesem Ort und auf den Gräbern der ermordeten Frauen, Männer und Kinder vergessen Menschen jede Scham und jeden Anstand: Sie ziehen Schlittenspuren durch den Schnee, sie tollen herum, sie grölen und lachen und verhöhnen damit die Toten, sie verhöhnen die, die an diesem Ort unvorstellbares Leid erfahren haben und sie verhöhnen deren Nachkommen, sie verhöhnen uns. Sie brechen unser Versprechen von „Nie wieder!“ aus Gleichgültigkeit oder mit berechnender Absicht. Auf den Gräbern Zehntausender ziehen sie ihren Schlussstrich in den Schnee, verweigern das Gedenken und denken nicht daran, die Trauer und die Scham weiter zu geben. Den Ort des Schreckens wollen sie umwidmen in einen Ort der Verantwortungslosigkeit, des Egoismus und der Gleichgültigkeit.

Diesen Menschen und allen, die wie sie der Meinung sind, dass ein Massengrab der ermordeten Opfer des Nationalsozialismus heute nur noch ein Hügel ist, müssen wir mit aller Entschiedenheit und Härte begegnen. Wir dürfen ihr ehrloses und widerwärtiges Verhalten nicht relativieren oder durchgehen lassen, ihre Erzählungen haben nichts als taube Ohren und Verachtung verdient, ihre Kinder müssen in den Schulen noch deutlicher als bisher lernen, dass Geschichte sich niemals wiederholen darf. Ich schäme mich für diese Leute und ich verachte zutiefst, was sie tun und was sie damit verweigern. Ich schäme mich auch dafür, dass es heute wieder oder immer noch möglich ist, den unzähligen Opfern jeden Respekt zu verweigern und sich der Verantwortung für die Zukunft, bedingt durch unsere Vergangenheit, feige und gleichgültig zu entziehen.

Wehret den Anfängen! Ich wünsche mir nach dieser und ähnlichen Meldungen einen Sturm der Entrüstung, eine glasklare Haltung, der diese Leute von den Grabhügeln bläst und Anstand und Verantwortung wenigstens in ihren Handlungen einfordert. Wir müssen wieder lauter sein. Alerta!

Artikel in der SZ vom Buchenwald:Massengräber als Rodelbahn

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