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Handeln, bevor die Stimmung kippt!

Es ist voll und es wird voller:

Rund um den Eibsee müssen Wiesen mit Betonsperren geschützt werden. Die vorhandenen Parkplätze werden immer teurer und reichen schon lange nicht mehr aus. An einem sonnigen Wochenende erinnert die Verkehrsdichte im eigentlich beschaulichen Bad Kohlgrub an die Zustände einer Großmetropole bei flächendeckendem U-Bahnausfall.
Einheimische aus dem Ammertal fahren auch bei Neuschnee nicht mal schnell zum Hausberg nach Garmisch-Partenkirchen. Nach dem Stau kommt dort unweigerlich die endlose Schlange am Lift.
Termine beim Kinderarzt, die Jobbesprechung in der Nachbargemeinde oder einfach das gemeinsame Essen im Gasthaus: je nach Saison planen die Anwohner*innen einfach deutlich mehr Zeit ein, um von A nach B zu kommen. Es ist voll und es wird voller.

Des einen Freud, des anderen Stress

Viele Menschen in der Region leben gut und gerne vom Tourismus und natürlich sind steigende Übernachtungszahlen für die Gastgeber*innen und Betriebe ein Grund zur Freude.
Mehr Menschen zur Anreise auf die Schiene und vor Ort in den ÖPNV ist folgerichtig in den  Landratsämtern längst das Gebot der Stunde und wird vielerorts offensiv beworben. Doch reicht das?
Können die Landratsämter und die Gemeinden das alleine stemmen oder brauchen sie Unterstützung vom Freistaat? Welche sinnvollen Infrastrukturprojekte und Vernetzungen können entzerren und entfalten Lenkungswirkung?

Tagestourismus und Wertschöpfung

Spricht man mit Anwohner*innen oder Wirt*innen in den Gemeinden, entlädt sich der Unmut ziemlich offen gegen den Tagestourismus: „die Leute kommen aus der Stadt angerauscht, verstopfen die Straßen, besetzen die Berge, zertrampeln Schonungen, essen ihre mitgebrachte Brotzeit, werfen ihren Müll in die Natur und rauschen am Abend wieder ab, ohne auch nur einen Cent mehr als die Parkgebühren im Ort zu lassen“, hört man sehr oft. Der Ton wird rauer, auch im direkten Umgang. Manche holen an den Wochenenden das Auto aus der Garage, um es am Straßenrand zu parken. Aus Protest.

Planlos geht es nicht mehr

Die grüne Landtagsfraktion stellt genau deswegen einen Antrag an die Staatsregierung mit der Forderung nach einem Konzept zum Tagestourismus im Alpenraum.
Wir brauchen belastbare Zahlen, damit wir wissen, worüber wir genau sprechen und welche Probleme wir angehen müssen.
Wer kommt wann und mit welchen Verkehrsmitteln in den Landkreis, welche Wertschöpfung ergibt sich vor Ort? Wie können Kommunen der Überlastung begegnen? Es gibt bereits jetzt Konflikte und einige Einheimische sind frustriert und genervt, sie fühlen sich gerade an den Wochenenden in ihrer Freiheit eingeschränkt und in ihrer Ruhe gestört.
Der Landkreise in Oberbayern sind eben viel mehr als das Alpen-Disney-Land für Metropolregionen. Die Stimmung kippt und wir müssen jetzt reagieren.
Ich selbst wohne in Seehausen am Staffelsee und ich kenne den Stress aus eigenen Erfahrungen.

Allen gerecht werden?

Wichtig ist, dass wir Lösungen finden, in denen die Interessen der Menschen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die einen haben ein berechtigtes Bedürfnis nach normalem Alltag, die anderen haben ein nicht weniger berechtigtes Bedürfnis nach Naherholung und die Nächsten versuchen, von der Bewirtung der Gäste zu leben.
Die Lage in allen touristischen Hotspots brisant: Wenn Bewohner*innen Parkgebühren von hundert Euro pro Tag fordern, erkennt man die Verzweiflung der Menschen. Die eigenen Naherholungsgebiete sind an den Wochenenden und Feiertage überfüllt, Geheimtipps gibt es längst nicht mehr.

Overtourism: Stress für Mensch und Natur

Was die Menschen schon stresst, stresst gleichzeitig natürlich die Natur schon längst: wir brauchen Konzepte für mehr Nachhaltigkeit im Tourismus. Immer mehr Wander- und Radwege, Pisten, Lifte, Bergbahnen mag kurzfristig vielleicht Einnahmen steigern, richtet aber schon mittelfristig nicht zu unterschätzende Schäden an. Einfach weiterhin wegsehen und schweigen können wir uns nicht mehr leisten.

Hier geht es zum Antrag: BUENDNIS90-DIEGRUENEN_AntragID_68248_07-11-2019_TagestourismusAlpenraum_Nr_15_eingereicht

Hier könnt ihr weiterlesen: christian-zwanziger.de/

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