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Genug geleistet! Für ein neues Selbstverständnis im Alter.

Von der Lehre bis zur Rente

Eine ganz normale Arbeitsvita sah bis vor gar nicht allzu langer Zeit so aus:
Ausbildung oder Studium, Übernahme durch den Betrieb oder Anstellung, sichere Arbeit bis zur Rente. Die Rente war sicher, die eigenen Erwartungen gingen selten über gelegentliche Reisen und Enkelbesuche hinaus. Die Erwartungen der Gesellschaft waren dem angepasst, Aufgaben sorgfältig an die kommende Generation übertragen.

Die neue Leistungsgesellschaft

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten wenigen Jahrzehnten drastisch geändert: die meisten Menschen sammeln Erfahrungen in unterschiedlichen Berufsfeldern, Flexibilität ist Grundvoraussetzung, Quereinstiege und fachfremde Tätigkeiten an der Tagesordnung. Die beste Ausbildung schützt nicht vor prekären Lebensbedingungen. Wer erfolgreich sein will, braucht Ellbogen. Beruflicher Misserfolg gilt in unserer heutigen Leistungsgesellschaft viel mehr als je zuvor als eigenes Versagen. „Arbeitslos“ nicht mehr als Schicksal, sondern als „zu faul“.

Mentale und seelische Gesundheit

Die sich ständig verändernden Ansprüche, der neue Leistungsbegriff: all das greift in alle Lebenslagen der Menschen, die gemeinsam diese Gesellschaft bilden. In allen Altersgruppen nehmen Psychische Erkrankungen zu, Depression ist auf dem besten Weg zur neuen Volkskrankheit zu werden. Dies betrifft zunehmend auch Menschen, die eigentlich an dem Punkt stehen, an dem sie zur Ruhe kommen sollten: beim Übergang vom Berufsleben zum Ruhestand. Welches Selbstbild haben Menschen, die nicht mehr leisten können oder wollen in unserer Gesellschaft? Welches Bild hat die Gesellschaft von den heutigen Alten?

Prävention: Vorsicht ist besser als heilen

Hier wollen wir einhaken: wir wollen betroffene Männer* und Frauen* in dieser Lebensphase nicht sich selbst überlassen. Psychische Erkrankungen sind immer noch sehr schambehaftet. Betroffene aller Altersgruppen fürchten sich nach wie vor, leider immer noch zu Recht, vor Stigmatisierung. Gerade ältere Menschen haben Angst davor, als schwach zu gelten. In der Folge ziehen sie sich zurück und fühlen sich von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen.
Wir brauchen: Information, verlässliche Ansprechmöglichkeiten, niederschwellige Hilfsangebote.

Niemanden allein lassen!

Auch in unserer Leistungsgesellschaft müssen wir klarmachen: der Wert eines Menschen misst sich nicht am Einkommen und nicht am Bildungsstand und nicht am Alter.
Wir brauchen wieder mehr Verständnis und Wertschätzung füreinander und auch für die, die einfach genug geleistet haben: für die Mutter ohne Erwerbsvita ebenso wie für den Mitarbeiter in einem Produktionsbetrieb oder die Lehrerin im Ruhestand. Es liegt an uns allen, Menschen jenseits jeden Leistungsgedanken in der Mitte der Gesellschaft immer mitzudenken und auch aktiv mitzunehmen.

Kein Stigma

Nein, Opa kann sich einfach eine Eisenbahn in den Keller stellen. Nein, Oma reicht es nicht, einfach mehr Kuchen für die Enkel zu backen. Depressive Menschen brauchen Hilfe von Fachpersonen. Sie brauchen den Austausch mit anderen Betroffenen und die müssen wissen, dass eine Krankheit nie eine Schwäche ist. „Geh‘ einfach mehr an die frische Luft“ oder „kauf dir einen Hund“ signalisiert nur eins: du hast keinen Grund zu jammern und ich will dir nicht zuhören.
Ich will, dass wir uns mit flächendeckenden Angeboten um diese Menschen kümmern!

60 ist das neue 40

Das muss die Möglichkeit sein, aber nicht der Anspruch. Individualität endet nicht mit dem Alter.
Wir brauchen eine bedarfsgerechte Senior*Innenpolitik in ganz Bayern. Teilhabe, Barrierefreiheit, Beratungsangebote. Es gibt sie, die Menschen zwischen den Arbeitnehmer*innen und den multimorbiden Pflegebedürftigen. Und die Probleme dieser Menschen sind real. Das gilt auch und vor allem für die mentale, seelische Gesundheit!

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