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Ethik in der ökonomisierten Gesundheitsbranche

„In der modernen Gesundheitsbranche ist alles auf Gewinn ausgerichtet und ethisches Handeln spielt keine Rolle!“ 

Viel zu oft habe ich diesen Satz schon gehört. Und mindestens genau so oft habe ich darüber nachgedacht. Nachgedacht ob es denn wirklich stimmt und wenn ja, wie Politik dieses Problem lösen könnte. Aktuell findet sich das deutsche Gesundheitssystem in einem Spannungsfeld zwischen reguliertem Markt auf der Einnahmenseite und einem freien Markt auf der Ausgabenseite. Durch das DRG-System (Fallpauschalen) und durch stagnierende Investitionszahlungen der Länder (in Bayern seit ca. 20 Jahren nicht spürbar verändert) bleibt den Klinikbetreibern nur die Ausgabenseite um zielführend einen Einnahmenüberschuss bzw. eine ausgeglichene Einnahmen-Überschussrechnung zu erwirtschaften. Nachdem die Personalkosten in der Regel den größten Ausgabenanteil aufweisen, ist die konsequente Kürzung und Einsparung die betriebswirtschaftlich logische Konsequenz.

Gleichzeitig ist es ein offenes Geheimnis, dass durch solche finanziellen Einschränkungen bei den Personalkosten zu einer geringeren Mitarbeitermotivation führen und diese wiederum zu einer sinkenden Qualität und Patientenzufriedenheit. Dadurch entsteht also eine Abwärtsspirale die in meinen Augen einen wesentlichen Beitrag zum aktuellen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen beigetragen hat.

 

Es bleibt also die Frage, wie diese Abwärtsspirale durchbrochen werden kann. Hier kommt ethisches Handeln ins Spiel. Nachgewiesener Weise führt ein konsequentes Einhalten eines transparenten Ethikkodex dazu, das Mitarbeiter*innen- und Patientenmotivation steigt. Das ist in den Führungsetagen der Kliniken und stationären Altenpflege längst angekommen und wurde in sämtlichen Leitbildern, die in fast allen Einrichtungen bereits im Eingangsbereich sichtbar sind, versucht um zu setzen. Mit einem sehr überschaubaren Erfolg. Dies liegt aber nicht an dem festgelegten Ethikkodex sondern an der meist fehlenden Evaluierung. Es wird meistens nicht erhoben in wie weit dieses Leitbild innerhalb der Mitarbeiter*innen und im Umgang mit den Patient*innen wirklich angewendet wird. Hier könnte nun der Staat ins Spiel kommen.

Mittlerweile gibt es international anerkannte Leitbilder für z.B. menschenwürdige Pflege. Würde man nun diese Leitbilder auf einer politischen Ebene zu einem „Musterleitbild“ für eine Gesundheitseinrichtung zusammenfassen und zum Beispiel jährlich anhand einer standardisierten Mitarbeiterbefragung (Ausführung durch die Einrichtung und Auswertung durch das Ministerium), hätte der Staat eine Möglichkeit zur Förderung der inneren Unternehmenstransparenz. Gleichzeitig könnten dadurch für die Einrichtungen Einnahmenquellen jenseits der klassischen Krankenhausfinanzierung. Das Resultat wäre somit eine Stellschraube für höhere Einnahme jenseits des Fallpauschalensystems, höhere Mitarbeitermotivation, höhere Patientenzufriedenheit und die Implementierung eines Ethikkodexes, den viele Menschen im heutigen Gesundheitssystem vermissen.

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