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Ein Danke reicht nicht.

Zur verheerenden Situation kinderhospizlicher Versorgung in Bayern

Wenn einem Kind nicht mehr viel Lebenszeit bleibt, wenn den Familien, den Eltern und Geschwistern in absehbarer Zeit das Kostbarste genommen wird, versagt die Sprache.
Die todkranken jungen Patient*innen und die betroffenen Familien brauchen eine angemessene, professionelle und individuelle Begleitung: Vor und während des Sterbeprozesses, aber auch nach dem Tod ihres Kindes. Weder die Kinder noch die Angehörigen dürfen in dieser ganzen Zeit alleine gelassen werden.
Die Zahl der Pflegefachkräfte im Bereich der Kinderhospizarbeit reicht ebenso wenig wie die zur Verfügung stehenden stationären Betten. Ehrenamtler*innen können den Mangel nur mildern und tun dies nach Kräften.
Es reicht bei Weitem nicht, die ehrenamtliche Tätigkeit dankend zu würdigen und auf den Schultern ehrenamtlicher Mitarbeiter*innen und Selbsthilfegruppen die Versorgung sterbender Kinder und trauernden Eltern sicherzustellen.

Bayernweit gibt es ein Kinderhospiz mit acht Betten.

Bundesweit sind 14 stationäre Hospize für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zu verzeichnen, und dies nur in zehn Bundesländern. In Bayern stehen für 1 Million Einwohner*innen 0,6 Betten für die kinder- und jugendpalliative stationäre Versorgung zur Verfügung.

Auf eine schriftliche Anfrage an das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (17/14764) zur Ermittlung der Bedarfe stationäre Kinderhospize lautet die Antwort knapp, dass das einzige Kinderhospiz Bayerns (Bad Grönenbach) über acht Plätze verfüge (das ist die Mindestanzahl von Betten für die Errichtung eines Hospizes) und damit der „Bedarf für stationäre kinderhospizliche Versorgung in Bayern (…) damit grundsätzlich gedeckt“ sei.

Es besteht aber eine erschreckend hohe Versorgungslücke nicht nur bundes- sondern auch bayernweit.

Die Finanzierungskonzepte sind völlig unzureichend.

Die Finanzierung der Einrichtungen bzw. der Hospizaufenthalte erfolgt derzeit zu über 50% durch Spendengelder. Die Kostenträger erkennen stationäre Hospizaufenthalte nur als Kurzzeitpflegeeinrichtungen an und werden damit nach Maßgaben der Pflegeversicherung finanziert. Bei Weitem reichen diese Gelder nicht aus, angemessene Personal-, Weiterbildungs- als auch Betriebskosten abzudecken. Für das Fortbestehen sind maßgeblich Spendengelder von Nöten. Hier muss die Politik dringend handeln.

Der Fachkräftemangel wird im Bereich der hospizlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen besonders deutlich.

Wenn unheilbar kranke Kinder abgewiesen werden, da die Versorgungsleistung und Pflege nicht sichergestellt werden kann oder Betten fehlen wie im jüngsten Fall in Berlin, muss dringend gehandelt werden. Hier ist das, was wir als „Pflegemangel“ verniedlichen bereits eine humanitäre Katastrophe.

Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, damit Pflegefachkräfte ihren im höchsten Maße anspruchsvollen und zuweilen extrem belastenden Tätigkeiten nachgehen können.
Mehr Geld allein macht an dieser Stelle aber nicht glücklich. Die Kolleg*innen brauchen Entlastungen  durch bessere Arbeitszeitenregelungen. Auch für Pflegefachpersonen, in extrem belastenden Situationen erst recht, muss die Work-Life-Balance stimmen.

Außerdem brauchen wir staatlich finanzierte Beratungsstellen für betroffene Eltern und Angehörige, die zentrale Ansprechpartner*innen zur Verfügung stellen und nicht zuletzt bei Anträgen und Streitigkeiten mit den Krankenkassen eine Last abnehmen. Wir können den ehrenamtlich Tätigen diese Aufgaben nicht überlassen, und wir dürfen sie ebenso wie die trauernden und psychisch schwerst belasteten Eltern nicht alleine lassen.

Wenn die Krankenkassen die Kosten für hoch qualifiziertes Personal nicht vollständig erstatten

… leiden auch die schwerkranken und sterbenden Kinder und mit ihnen die Angehörigen in unzumutbarem Maße, denn eine angemessene und professionelle pflegerische Versorgung ist nicht gewährleistet und gefährdet.

Die Kostenträger müssen die tatsächlich anfallenden Pflegepersonalkosten in der Höhe übernehmen, in der sie tatsächlich anfallen um damit nicht nur die ohnehin zu wenig verfügbaren Versorgungseinrichtungen (stationär wie ambulant) sicherstellen, sondern auch der Profession Pflege jene Wertschätzung zuteil werden zu lassen, die sie verdient.

Beifall klatschen reicht nicht.

Mit den leeren Worten des „hohen Ansehens“ des Berufsbilds muss Schluss sein, es müssen Taten folgen. Die Profession Pflege, und hier besonders im kinderhospizlichen Rahmen, müssen wir sie entsprechend honorieren: Durch bessere Bezahlung und Sicherstellung von guten Arbeits- und Rahmenbedingungen.

 

 

 

 

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