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Die Prioritäten sind klar. Und sie sind falsch!

Prio 1 A: die Wirtschaft

Wegen Corona werden derzeit Großveranstaltungen abgesagt. Verbraucher- und Fachmessen finden bis Mai nicht statt.
Unnötigen Reisen sagt man besser ab und wer kann, arbeitet im Homeoffice.
Wer in Urlaub in Italien oder Südtirol war, soll auch ohne Symptome zwei Wochen zu Hause bleiben. Gleiches gilt für alle, die vielleicht Kontakt zu Risikogruppen hatten.
Natürlich sorgt das alles für enorme finanzielle Einbußen bei zahlreichen Unternehmen.
Und was tut die Bundesregierung? Innerhalb weniger Stunden sagt sie Unterstützung in Milliardenhöhe zu. Kurzarbeit wird über die Arbeitslosenversicherung finanziert. Corona solle kein Unternehmen in die Insolvenz treiben, beteuert der Bundeswirtschaftsminister.
Vorsicht ist gut und natürlich ist es auch gut, finanzielle Risiken zu minimieren und kalkulierbar zu halten. Keine Frage.

Gleichzeitig in der Pflege

Wir befinden uns mitten in einem akuten Pflegemangel. Krankenhäuser und Pflegeheime suchen händeringend Fachpersonal. Pflegefachpersonen sind überlastet. Die Arbeitsbedingungen sind aufreibend. Auch ohne Corona im Regelbetrieb. Jeden Tag.
Mit Corona steigt die Arbeitsbelastung. Die Quarantänestationen müssen besetzt werden, vielerorts werden Sonderschichten geleistet. Also noch mehr als sonst.
Wer jetzt von Spahn ähnliche Segnungen erwartet, wie Altmeier sie in seinem Ressort ausschüttet, der oder die wird sich verwundert die Augen reiben: das Gegenteil ist der Fall.
Der Bundesgesundheitsminister hebt die Untergrenzenverordnung, die nichts als eine absolut auf Kante genähte Mindestbesetzung vorsieht, ersatzlos auf.
Quarantänevorschriften für Pflegende werden ausgesetzt.
Wertschätzung für die professionelle Pflege in Form einer satten Sondervergütung? Fehlanzeige. Die Milliarden gehen in die Wirtschaft.

Die Pflegenden bekommen wie immer ein Danke. Nur diesmal ohne feucht-warmen Händedruck: Ansteckungsgefahr, Sie verstehen schon!

Und die Signalwirkung?

Katastrophal!
Der Sozialwissenschaftler Prof. Stefan Sell weist auf die verzerrte öffentliche Diskussion um die Veränderungen der Arbeitswelt hin. In den Lobpreisungen über digitales Arbeiten und Home-Office werden die Menschen vergessen, die vor Ort sein müssen.
Pflegekräfte brauchen gerade jetzt wertschätzende Signale. „Das zentrale Nadelöhr sind die Menschen in den Gesundheitseinrichtungen. Wenn wir die Bedingungen weiter verschlechtern, werden mehr Menschen aus dem Beruf aussteigen.“

Gerade jetzt sollte die/der Letzte merken, wie zentral gesundheitliche Versorgung ist und dass es ohne Pflegefachkräfte nicht geht. Nicht ohne Corona und schon gar nicht mit.

 

 

 

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