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Die Leere am heimischen Pflegebett

Es wird Frühling. Gerade jetzt sehnen sich die Menschen nach Normalität und natürlich nach dem kleinen und großen Luxus von unseren Feldern.
Wir träumen von Erdbeeren und freuen uns auf Spargelgerichte. Und dann das!

Was alle sehen: die Erntehelfer*innen fehlen!

Die Grenzen sind dicht, die Einreise für Saisonarbeiter*innen nicht möglich. Das Thema ist in aller Munde und es kommt mir so vor, als wäre die gesunde Ernährung mit regionalen Produkten vor allem den Populisten unter den Kolleg*innen das Wichtigste in diesen Tagen.
Doch: wenn die Grenzen dicht sind und uns die helfenden Hände unserer Nachbar*innen fehlen, dann fehlen die nicht nur auf den Feldern.

Who cares?

Über 70% der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Wenn An- und Zugehörige mit der Betreuung überfordert sind, holen sie sich Hilfe. Gerade für die pflegebedürftigen Menschen, die niemanden im eigenen Haushalt haben, kommt diese Hilfe oft aus der (ost)europäischen Nachbarschaft. Die Betreuer*innen und Pflegepersonen leben dann einige Wochen bei ihren Klient*innen und kehren danach für einige Wochen zu ihren eigenen Familien zurück. Dieses ganze System beruht auf Rotation. Und genau diese Mobilität muss jetzt im Sinne des Schutzes vor weiteren Ansteckungen eingeschränkt werden.

Betreuung und Pflege fehlt: in den Einrichtungen und hinter den Wohnungstüren

Social Distancing ist jetzt wichtig, um die Fallzahlen niedrig zu halten. Gerade ältere und vorerkrankte Menschen sollen die Anzahl ihrer Kontakte so gering wie möglich halten. Wenn die Betreuungskraft ausfällt, wer fängt das auf? Haben Betroffene diese eine oder diese zwei Personen im engeren Kreis, die jetzt einspringen können?
Die Pflegeheime arbeiten schon ohne Corona am Limit. Jetzt einen Platz zu ergattern gleicht einem Lottogewinn. Die mobilen Dienste können sich vor Arbeit nicht retten. Und das schon ohne, dass Kolleg*innen wegen Ansteckung ausfallen.

Die häusliche Betreuung steht vor dem Kollaps

Die Situation für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wird sich mit jedem Tag der geschlossenen Grenzen weiter verschärfen. Betreuungspersonen verlängern ihre Verweildauern zwar, doch auch diese Menschen wollen und müssen irgendwann zu den eigenen Familien oder brauchen ihre verdienten Pausen. Wenn wir uns jetzt darauf verlassen, dass das Leben mit offenen Grenzen und Bewegungsfreiheit in zwei Wochen wieder den lieb gewonnen Gang geht, dann lassen wir die Menschen im Stich. Wir müssen jetzt an praktikablen und sicheren Lösungen arbeiten.

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