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Bericht zum Stand der Umsetzung der in der Demenzstrategie definierten Ziele

Antrag

vom 06.02.2019 der Abgeordneten Katharina Schulze, Ludwig Hartmann, Andreas Krahl
u.a. und Fraktion (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Drs. 18/275

Bericht zum Stand der Umsetzung der in der Demenzstrategie definierten Ziele

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, im Ausschuss für Gesundheit und Pflege schriftlich
und mündlich zum Stand der Umsetzung der in der Bayerischen Demenzstrategie
definierten Ziele zu berichten. Dazu haben wir gefordert, dass dabei auf auf eine Vielzahl von Fragen eingegangen werden soll.

Begründung:

Die Demenzstrategie der Staatsregierung ist auf lange Sicht angelegt und ist der „Orientierung an den Grundprinzipien Würde, Normalität, Autonomie und Ressourcen auch bzw. gerade im Hinblick auf Menschen mit Demenz“ verpflichtet. Sie geht von stark ansteigenden Zahlen Betroffener aus und rechnet aufgrund des demografischen Wandels und des medizinischen Fortschritts mit rund 300.000 an Demenz erkrankter Menschen in Bayern bis zum Jahr 2030.

In Zukunft werden sich aufgrund der demografischen Entwicklung immer weniger junge Menschen um eine ständig wachsende Anzahl alter Menschen und Menschen mit Demenz kümmern müssen. Die Stärkung der professionellen Pflege, auch bezüglich der gesellschaftlichen Wahrnehmung, muss zum prioritären Ziel der Staatsregierung werden, weil sich hier bereits seit Jahren der Fachkräftemangel besonders dramatisch bemerkbar macht.

Die Berufsbilder in der professionellen Pflege müssen für junge Menschen wieder attraktiv werden und gleichzeitig gut ausgebildeten Pflegepersonen den Verbleib und die Rückkehr in den Beruf ermöglichen. Dies muss berücksichtigt sein, wenn die Staatsregierung ankündigt, „im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel“ auf die Notstände in der Versorgung von Menschen mit Demenz zu reagieren. Nur dann, wenn wir die formulierten Ziele der Bayerischen Demenzstrategie schnell als Mindestanforderung umsetzen und die Versorgung auch außerhalb der Metropolregionen stärken, können wir pflegebedürftigen Menschen ein Leben mit der größtmöglichen Selbstbestimmung gewährleisten.

Zur Stärkung der Berufsbilder der professionellen Pflege muss auch mitbedacht werden, ihre Leistungen nicht durch das Auslagern bestimmter Aufgabenbereiche in andere Berufsgruppen, wie hier in den hauswirtschaftlichen Bereich, beliebig zu machen. Professionelle Pflege leistet weit über die Betreuung hinaus und hat Zielsetzungen der Rückgewinnung eigener Selbstpflegekompetenzen und kann auch Krankheitsverläufe der Demenz positiv beeinflussen. Gleichwohl ist eine bessere Information über demenzielle Erkrankungen und Krankheitsverläufe für alle Berufe, die den Umgang mit Menschen bedingen, sicherlich zu begrü.en.

Kampagnen zur Verbesserung der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Wertschätzung professioneller Pflege können die Berufsbilder der Pflege als professionelle Dienstleistung transportieren und sollten nicht in überkommenen und falschen Bildern von Aufopferung und Selbstlosigkeit verharren.

Der Bayerische Demenz Survey der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hatte zur Aufgabe, die unzureichende Evidenzlage über die Versorgung von Menschen mit Demenz zu beleuchten. Nachdem ein sehr hoher Prozentsatz der derzeit mehr als 240.000 Demenzerkrankten in Bayern von Angehörigen betreut wird, ist es wichtig, mehr über die Versorgungssituation im häuslichen Umfeld zu erfahren. Nichtmedikamentöse Therapieformen beeinflussen den Verlauf der verschiedenen Formen der Demenz; umso wichtiger ist eine umfangreiche und zeitnahe Information der Betreuungspersonen. Mehr als die Hälfte der Betreuungspersonen haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung keine Informationen über Therapiemöglichkeiten. Als besonders schlecht informiert definieren sich vor allem Menschen aus dem ländlichen Raum. Rechnet man den durchschnittlichen Zeitraum dazu, der zwischen den ersten Symptomen und der Diagnosestellung verstreicht (16 Monate), ist klar, dass Betroffenen wertvolle Zeit verloren geht. Dies wirkt sich irreversibel auf ihre Lebensqualität und auf ihre Selbstbestimmtheit aus. Die Handlungsempfehlung der Studie mahnt folgerichtig eine umfassende und flächendeckende Information über die Krankheitsbilder der Demenz an und empfiehlt unterstützende digitale Angebote und Screenings.

Die Studie beschäftigt sich auch mit der Situation betreuender Angehöriger und deren Belastungen. Familiäre Betreuungsarbeit wird nach wie vor in ganz überwiegendem Maß von Frauen geleistet. Diese sehen sich dadurch Mehrfachbelastungen ausgesetzt, die krank machen können. Nicht selten sind Burn-out und Depressionen, aber auch körperliche Einschränkungen die Folge, die zur verminderten Fähigkeit zur Erwerbsarbeit und damit zu geringeren Rentenansprüchen hinzukommt.

Eine Verbesserung der Unterstützung betreuender Angehöriger durch Beratung und durch flächendeckende ambulante oder teilstationäre Angebote ist dringend erforderlich. Eine Stärkung des Ehrenamts kann dabei nur als unterstützender Zusatz verstanden werden; gerade hinsichtlich der zu erwartenden Fallzahlen in naher Zukunft brauchen wir verlässliche professionelle Strukturen.

Die Herausforderungen, die sich durch die steigenden Fallzahlen demenzieller Erkrankungen ergeben, müssen für alle Lebensbereiche angenommen werden. Menschen mit Demenz haben in Akutkrankenhäusern erhöhten und anderen Pflegebedarf und sie haben spezielle Bedarfe in der Versorgung vor Ort, die Kommunen fordert und die bei der Quartiersentwicklung flächendeckend Berücksichtigung finden müssen.

70 Prozent der Menschen mit Demenz sind weiblich, Frauen leiden auch wegen der höheren Lebenserwartung, häufiger an Alzheimer-Demenz, Männer sind eher von vaskulärer Demenz betroffen. Männer mit schwerer Demenz werden häufiger im häuslichen Umfeld betreut als Frauen, die häusliche Betreuung wird gleichwohl in der Hauptsache von Frauen geleistet. Die Einbeziehung von Gender-Aspekten in die Versorgungsforschung ist daher dringend geboten.

Das Angebot einer Altenpflegeausbildung in Teilzeit ist für Menschen mit weitreichenden familiären Verpflichtungen sicherlich zu begrü.en und soll in der Hauptsache Eltern unterstützen, eine Ausbildung zeitlich und energetisch möglich zu machen. Eine Zugangsvoraussetzung ist jedoch eine abgeschlossene Ausbildung zur Pflegehelferin bzw. zum Pflegehelfer, die nur in Vollzeit absolviert werden kann. Für Mütter oder betreuende Angehörige stellt dies wiederum eine nicht zu überbrückende Hürde dar. Zudem ist zu klären, wie sich die Ausbildung in Teilzeit in die Generalistik der professionellen Pflegeberufe eingliedern lässt.

Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Gesundheit und Pflege

I. Beschlussempfehlung:

Zustimmung mit der Maßgabe, dass folgende Änderungen durchgeführt werden:
1. In Satz 2 werden nach dem Wort „soll“ die Wörter „nach Kräften“ eingefügt.
2. Der erste Spiegelstrich erhält folgende Fassung:
„Wie hoch sind die bisher verwandten Mittel der Staatsregierung zur Umsetzung
der Ziele der Demenzstrategie seit 2017 (bitte nach Bezirken aufschlüsseln)
und in welchem Bereich wurden bislang die meisten Mittel aufgewendet?“
3. Der zweite Spiegelstrich wird gestrichen.
Berichterstatter: Andreas Krahl
Mitberichterstatter: Prof. (Univ. Lima) Dr. Peter Bauer

II. Bericht:
1. Der Antrag wurde dem Ausschuss für Gesundheit und Pflege federführend zugewiesen.
Weitere Ausschüsse haben sich mit dem Antrag nicht befasst.
2. Der federführende Ausschuss hat den Antrag in seiner 4. Sitzung am 12. Februar
2019 beraten und e i n s t immi g mit den in I. enthaltenen Änderungen
Zustimmung empfohlen.

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