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Alter Glanz oder neue Chance: Die Ski-WM 2027 in Garmisch-Partenkirchen

Pressemitteilung: Andreas Krahl, MdL, Christian Hierneis, MdL,
Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag

Alter Glanz oder neue Chance: Die Ski-WM 2027 in Garmisch-Partenkirchen

München/Garmisch-Partenkirchen, 14.05.2021: Der Gemeinderat in Garmisch-Partenkirchen hat sich mit einer deutlichen Mehrheit für die Bewerbung als Austragungsort der Ski-WM 2027 ausgesprochen. Bei seiner positiven Bewertung findet er sich in bester Gesellschaft mit der Staatsregierung.

Der Bund Naturschutz und die Grünen bleiben bei ihrer ablehnenden Haltung. Die Grünen Abgeordneten Hierneis und Krahl   wollten genauer wissen, ob der Wunsch nach der WM auf den gern heraufbeschworenen Erinnerungen an den alten Glanz des Wintersportortes fußen, oder ob es belastbare Fakten gibt, die die Hoffnung auf einen glücklichen und gewinnbringenden Verlauf rechtfertigen. Sie haben nachgefragt.

Es soll also wieder mal international werden in Garmisch-Partenkirchen. Nach der nur mittelmäßig erfolgreichen WM 2011 will man es in Garmisch nochmal wissen und bewirbt sich erneut als Austragungsort für 2027.

Das wäre vielleicht noch nachvollziehbar, wenn das größte Problem 2011 nicht bereits der nur verhalten gefallene Schnee gewesen wäre und die klimatische Entwicklung diesbezüglich eine positive Prognose erlauben würde.

„Zur Erinnerung: Die Klimaerwärmung macht vor allem vor den Gebirgslagen nicht halt und was wir alle spüren und durch die Aufzeichnungen gut belegt ist, lässt sich auf die Erkenntnis herunterbrechen, dass Garmisch-Partenkirchen in den vergangen 50 Jahren etwa 300 Höhenmeter verloren hat“, erklärt Andreas Krahl, selbst Wintersportfan bedauernd.

Welche Schlüsse zieht die Staatsregierung aus dem Klimawandel für die Zukunft Bayerischer Skigebiete allgemein und wie schätzt sie die Lage in Garmisch-Partenkirchen im Besonderen ein? (Siehe dazu: Schriftliche Anfrage zum Download)

Die Staatsregierung, die den Klimaschutz doch unlängst zur Chef-Sache erklärt hat, ignoriert die Klimaveränderungen im Freistaat mit einer fast schon trotzigen Konsequenz. Bei der Beantwortung der Schriftlichen Anfrage beruft sie sich auf eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Alpenvereins zum Zeitraum 1971 – 2000 und eine aktuelle „hauseigene“ Klimaprojektion des Umweltministeriums für den Zeitraum 2021 bis 2050. Erkenntnisse und Daten der letzten 20 Jahre fallen einfach unter den Tisch und bleiben völlig unberücksichtigt. Rechnet man die mit ein, muss man von einer durchschnittlichen Wintertemperatur von 3,7°C im Jahr 2027 ausgehen, fast doppelt so hoch wie im Jahr 2000 mit 2,0° C.

„Die Staatsregierung würde den Kopf gern in den Schnee stecken, doch das dürfte selbst mit massivem Aufwand zur künstlichen Beschneiung sehr schwierig werden“, kommentiert Christian Hierneis.

Was bedeutet das genau? Steigen die Durchschnittstemperaturen im Vergleich zu den Jahren 1971-2000 bis 2027 um nur 1,5°C, sind selbst mit intensiver Beschneiung nur noch 86% der Pistenfläche mit Schnee bedeckt.
Auf der Grundlage der vorliegenden Daten gehen wir davon aus, dass der Temperaturanstieg mit 1,7°C noch darüber liegt.

Für den Zeitraum 1971-2000 gibt das Ministerium selbst die Schneesicherheit ohne Beschneiung mit 69% an. Bis 2027 weitergerechnet liegen wir hier schon deutlich im Bereich des Glückspiels bei ca. 50%.

Obwohl die Anzahl der Frosttage laut Staatsministeriums bis ins Jahr 2000 um bis zu 27 Tage abgenommen hat, legen sie dennoch einen unverändert hohen Winterniederschlag zu Grunde. Das ist bestenfalls ein frommer Wunsch: Als würden sich die Klimaveränderungen nur auf ausgesuchte Wetterphänomene auswirken.

„Bei einer herbstlichen Durchschnittstemperatur ein Wintersportgroßereignis zu planen, geht nur mit vollkommen verkürzter und damit unwahrer Darstellung der Sachlage. Auch die massivsten und invasivsten Eingriffe in die Natur, die es gerade in Garmisch-Partenkirchen in den letzten Jahren schon reichlich gab, werden daran kaum etwas ändern. Mehr Speicherseen und mehr Schneekanonen werden auch mit noch mehr Chemikalien aus verregneten Bergen keine Weltcup-Pisten machen“, sind sich die beiden Grünen Abgeordneten einig.

Falls überhaupt irgendetwas sicher ist an der WM 2027 in Garmisch, ist es also bestimmt nicht der Schnee.

 

 

 

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