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500 Euro Pflegebonus: Wer bekommt’s – und wer nicht?

München, 27.05.2020: Noch bevor es zum guten Pandemie-Ton gehörte, Systemrelevanz von den Balkonen aus zu beklatschen und medizinisches und pflegerisches Personal zu Heldinnen zu stilisieren, forderten die Landtagsgrünen handfeste Unterstützung: 500 Euro Gefahrenzulage für alle, die sich täglich einer hohen Ansteckungsgefahr aussetzen. Monatlich und für die gesamte Dauer des K-Falls. Mit „alle“ meinten die Grünen dabei wirklich alle, die in den Kliniken und Pflegeheimen und die bei der Rettung und Versorgung von Patient*innen dem neuen Virus Sars-CoV-2 ausgesetzt sind.
Die Landesregierung hörte irgendwas mit Geld und Pflegepersonal und machte aus der Forderung einen medienwirksamen „Pflegebonus“ als Einmalzahlung. Taschengeld statt Wertschätzung. Rührung und Presserummel.
Doch wer bekommt jetzt eigentlich den Bonus? Die gestrige Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Pflege zeigte: das Ministerium schwimmt.

Pflegepersonal in Vollzeit kommt in den vollen Genuss des Pflegebonus. Bei Teilzeit wird das Taschengeld auf 300 Euro gekürzt.
Therapeut*innen gehen leer aus. Sie sind zwar in ebenso engem Kontakt, aber um die Gefahr geht es ja nicht.
Pflege ist doch das mit „satt und sauber“, Patient*innen waschen und Toilettenstuhl leeren. Jedenfalls doch das, von dem gerade jede*r sagt und schreibt, dass es dramatisch unterbezahlt ist.
Wo wir bei „sauber“ sind: für Reinigungskräfte gilt „sie hätten ja auch Büros putzen können“, kein Bonus. Ohne Applaus kein Geld.
Bundesfreiwilligendienst in Kliniken und Pflegeeinrichtungen? Mit Bescheinigung über pflegerische Tätigkeiten: ja. Essen auf die Stationen bringen reicht nicht.
Fachkrankenpfleger*innen in nephrologischen oder onkologischen Praxen, also Dialyse oder Chemotherapie? Die arbeiten ja „funktionell und nicht pflegerisch“. Also nein, auch hier kein Bonus.
Ich fasse zusammen: Zuwendungsberechtigt ist, wer pflegt und alle anderen, ohne die unser Gesundheitssystem auch nicht funktionieren würde, sind ein bisschen weiniger systemrelevant? Oder anders wichtig?

Aber Moment, da sind doch noch die Rettungskräfte und die sind ja ganz eindeutig mitgemeint und die pflegen doch auch nicht. Das ist doch ein Spitzenargument, Lücke gefunden! „Die Einbeziehung der Rettungskräfte war eine politische Entscheidung!“ ist das „weil ich das so will!“ des Ministeriums. Verstehen muss man das nicht. Den Betroffenen erklären dagegen schon. Vielleicht geht es so: wir brauchen einfach mehr dramatische Bilder in den sozialen Netzwerken. Reinigungspersonal am Rand der Erschöpfung. Therapeut*innen in Schutzausrüstung.

Systemrelevant sind sie alle, für Pressekonferenzen taugen aber nur die, die man jetzt ständig vor Augen hat.

Und schließlich muss am Ende auch noch Geld für „hoibe Hendl“ übrig sein.
Schade.

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