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Ausgerechnet im Corona-Jahr Lieferengpässe bei den Influenzaimpfstoffen?

Andreas Krahl, MDL, Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag

Garmisch-Partenkirchen, Landkreis: Wie in jedem Jahr läuft auch im Pandemiejahr 2020 eine Kampagne zur Grippeschutzimpfung. Gerade für Risikopatient*innen und ältere Menschen ist der Schutz heuer besonders wichtig. Ministerpräsident Söder rollt medienwirksam die Hemdsärmel hoch und setzt damit das eindeutige Signal: Geht zur Impfung! Doch ganz so leicht ist das leider nicht.
Impfen schützt. Gerade während der pandemischen Lage ist es wichtig, auf die Gesundheit zu achten. Auch um Kapazitäten im Gesundheitssystem nicht zu überlasten, ist es daher sinnvoller denn je, sich gegen die saisonale Influenza durch Impfung zu wappnen. Folgerichtig drängen die Menschen in die Praxen, um der Empfehlung der Mediziner*innen und Politiker*innen nachzukommen.

Viele von ihnen landen jedoch nicht im Behandlungszimmer, sondern auf einer Warteliste. „Von befreundeten Ärzt*innen aus meinem Stimmkreis habe ich wiederholt die Meldung bekommen, dass sie in diesem Jahr bereits alle ihnen bisher zur Verfügung stehenden Dosen verimpft haben. Bestellte Impfdosen werden nicht ausgeliefert, die Apotheken können keine Liefertermine nennen, viele Praxen sind nicht mal in der Lage die eigenen Risikopatient*innen zu schützen. Die Wartelisten werden immer länger. Mitte November, vielleicht erst im Dezember, genaue Termine bekommen die besorgten Patient*innen nicht. Die Erkältungswelle rollt jedoch schon jetzt und ich fürchte, dass Patient*innen die wichtige Impfung dauerhaft verpassen: Eine Influenza Impfung geht eben nur gesund“, weiß Andreas Krahl, selbst Gesundheits- und Krankenpfleger.

Augenscheinlich gibt es also Lieferengpässe, zu wenig Impfdosen ausgerechnet im Corona-Jahr? Um das genau zu erfahren hat Andreas Krahl eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt, die jedoch von Lieferengpässen oder gar Lieferunfähigkeit nichts wissen will. Lediglich die Auslieferung der bereits großzügig berechneten Dosen sei bislang nicht abgeschlossen. Vertragsärzt*innen der Kassenärztlichen Vereinigung seien demnach aufgefordert, die erwartet hohe Nachfrage zu kalkulieren. Der Freistaat selbst habe sich auf eine erhöhte Impfbereitschaft vorbereitet und aufgrund eines Ministerratsbeschlusses 550.000 Impfdosen gegen die saisonale Influenza für den Öffentlichen Gesundheitsdienst bzw. die von ihm beauftragten Ärzte bestellt.
„Die Antwort der Staatsregierung deckt sich leider weder mit den Berichten der niedergelassenen Ärzt*innen noch mit den Berichten der impfwilligen Patient*innen, die nicht vor Ende November mit einer Nachricht aus ihrer Praxis rechnen dürfen. Während immer mehr Bürger*innen ihr Vertrauen in das Pandemiemangement der Staatsregierung verlieren, verpasst es eben jene Staatsregierung Vertrauen zu stärken und Versorgungssicherheit zu vermitteln. Das ist nicht nur bedauerlich, das ist beinahe fahrlässig“, resümiert Krahl bitter.

Download: Anfrage zum Plenum mit Antwort, Schilderungen zur Impfversorgung niedergelassener Ärzt*innen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen

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